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Die Blendung (Nobelpreis für Literatur 1981)
Elias Canetti | E. Michael Salzer

Nobelpreis für Literatur: vol. 76

Die Blendung (Nobelpreis für Literatur 1981)

Coron (per Rowolth Holtzbrinck) (1982)

Genre

  • Literatur: Nobelpreis Der Literatur (inkl Coron)

Subject

  • AufAnfrage
  • Leihgabe
  • LRS-Grossdruck-minimal

Plot

nicht verliehen 1914, 1918, 1935, 1940-1943 - - - geteilt verliehen 1904, 1917, 1966 - - - nicht angenommen 1964

Personal

Index 127
Added Date 06 November 2017 19:17:24
Modified Date 04 October 2025 14:46:32

Notes

Elias Canetti (1905-1994)
Österreich

So ist das nun mal: Bei allen großen Romanen ist die Sprache der eigentliche Hauptdarsteller. Wäre dem nicht so, ließe sich in diesem Fall berichten, daß sich alles um den Privatgelehrten Peter Kien dreht, einen exzentrischen Kopf- und Büchermenschen, der sich "bedeutendster Sinologe seiner Zeit" und Besitzer der umfangreichsten Privatbibliothek Wiens nennen darf. Er forscht in allergrößter Ruhe vor sich hin, bis ihm ein entscheidender Fehler unterläuft: In einem Anfall von Rührseligkeit heiratet er seine Haushälterin Therese, weil diese jahrelang seine Bücherschätze so gewissenhaft abgestaubt hat. Kaum ist sie aber Frau Kien, möchte sie noch viel mehr abstauben -- es entbrennt ein irrsinniger, erbarmungsloser Kampf um die Vorherrschaft in der heimischen Bücherfestung. In diesen Kampf greifen außerdem ein: Benedikt Pfaff, der sadistische Hausmeister, und Fischerle, ein buckliger Zwerg und Zuhälter, der sich nebenbei für den größten Schachspieler aller Zeiten hält. Und alle sind einzig beseelt von Habgier und betreiben mit Eifer Kiens Untergang. Die Blendung ist von entwaffnender Trostlosigkeit, eine positive Identifikationsfigur wird der Leser vergebens suchen. Mehr als entschädigt wird er aber durch den ins Groteske gesteigerten Humor, mit dem das absurde Treiben der Figuren und deren Denkwelten geschildert werden. Der sprachliche Zauber dieses Romans beruht vor allem auf Canettis Fähigkeit, diese bizarren Kreaturen völlig innerhalb ihrer Wahnlogik und konsequent im jeweils eigenen Tonfall sprechen zu lassen. Auch wenn nach der ersten Veröffentlichung mehr als drei Jahrzehnte verstreichen mußten, bis die literarische Öffentlichkeit von Canettis einzigem Roman Notiz nahm, zählt er mittlerweile zweifellos zu den Klassikern der Moderne. --Christian Stahl