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Almuth Und Rita

Almuth Und Rita

Almuth & Rita

2014
DVD
Drama | Komödie
Deutschland | Deutsch | Color |

Vornehm trifft Schnauze: Senta Berger und Cornelia Froboess standen für "Almuth und Rita" erstmals seit über 50 Jahren wieder zusammen vor der Kamera. Nun ist das ungleiche Duo im TV zu sehen.

Zwei große Karrieren sind das. Die von Cornelia Froboess, 70, begann 1951, als die freche Berliner Göre mit dem Lied „Pack die Badehose ein“ Furore machte. Engagements für Bühne, Film, Funk und Fernsehen schließen sich an. Früh schon wird sie mit Peter Kraus in „Conny und Peter machen Musik“ (1960) zur Legende. Da ist sie 17. Das Bild der Conny hält sich lange. Titel wie „Der Musterknabe“ (1963) oder „Rheinsberg“ (1967) folgen. In „Derrick“, „Der Kommissar“, „Der Alte“ und „Ein Fall für Zwei“ hatte sie die früher so begehrten Gastauftritte. In München war sie jüngst unter der Regie von Dieter Dorn am Residenztheater im „Käthchen von Heilbronn“ zu sehen.

Senta Berger, 72, kam in Wien zur Welt und hat den Charme dieser Stadt bis heute nicht verloren. Sie hat als eine der ganz wenigen Schauspielerinnen deutscher Sprache Anfang der 1960er Hollywood erobert und an der Seite von Stars wie Kirk Douglas und Charlton Heston, Yul Brunner und John Wayne gedreht, in Filmen wie „Sierra Charriba“ (1965) oder „Der Schatten des Giganten“ (1966). Sieben Jahre dauerte diese Phase. Dann die Rückkehr nach Europa. Bis heute ist sie produktiv und kreativ wie nur wenige, das Fernsehen hat sie seit langem für sich gewonnen. Seit 1966 ist sie mit dem Regisseur Michael Verhoeven verheiratet und lebt in München, wo nicht zuletzt die ZDF-Reihe „Unter Verdacht“ seit 2002 gedreht wird.

Im Spätsommer 2013 standen die Berger und die Froboess erstmals seit 1961 wieder zusammen vor der Kamera. Das ist ein schöner Umstand – zwei der bedeutendsten Schauspielerinnen in einer gemeinsamen Produktion zu erleben. „Almuth und Rita“ (Drehbuch: Brigitte Blobel; Regie: Nikolai Müllerschön) erzählt die Geschichte zweier denkbar unterschiedlicher Frauen: Da ist die ehemalige Zahnärztin Dr. Almuth Seegers (Senta Berger), die ihren letzten Arbeitstag hat. Sie hat ihre Praxis verkauft, an ihren Nachfolger, an einen Jüngeren.

Die nächste Lebensphase beginnt. Almuth findet sich in ihrer geräumigen, elegant eingerichteten Münchner Altbauwohnung wieder, ohne so recht zu wissen, was nun mit sich anfangen. Uninspiriert sitzt sie in ihrer neuen Lebenssituation herum. Sie greift zum Hörer und meldet sich bei Klaus (Wolfram Berger), der früher einmal für sie geschwärmt hat. Urzeiten ist es her, dass sie Kontakt hatten. Ihre alte Mutter Elisabeth (Kerstin de Ahna) besucht sie einmal alle sieben Tage, Samstag von Punkt 16 Uhr bis Punkt 17 Uhr, im Seniorenheim. Keine Umarmung, kein Wort, keine Geste der Nähe, der Empathie. Almuth lebt in einem Eismantel. Alle und jeden hält sie auf Distanz. So wie es ihre rigide Mutter ihr vorlebte. Selbst ihre eigene, längst erwachsene Tochter Kathrin (Patricia Aulitzky) kommt an Almuth nicht ran, sie hat sich mit der Absenz der eigenen Mutter längst abgefunden.

Eines Tages steht Rita Ritter (Cornelia Froboess) in Almuths Wohnung. Wie aus dem Nichts ploppt sie hervor. Rita, aus der ehemaligen DDR stammend, ist Almuths Putzfrau, schon seit mehreren Jahren. Da Rita bisher immer vormittags putzen kam, als Almuth in der Praxis ihren Patienten auf den Zahn fühlte, gab es auch hier keinen Kontakt. Man kannte sich nicht.

Welten prallen aufeinander: Rita plappert drufflos, sacht, wat se denkt. Almuth reagiert mit dem von ihrer Mutter Elisabeth übernommenen Standardsatz „Schluss, aus, Themenwechsel!“ Die beiden sehr ungleichen Charaktere geraten fortan von Konflikt zu Konflikt. Und nähern sich dabei an.

Die Tragikomödie „Almuth und Rita“, hätte, straffer und stringenter erzählt, ein richtig guter Film mit Tiefgang werden können. Wenn es mehr schöne Momente gäbe, so als die beiden Frauen draußen sind auf dem bayerischen Land, wo Almuth eine kleine Holzhütte hat, und sie sich gegenseitig ihre Fehler und Schwächen spiegeln. Sich letztlich ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten vorwerfen. Ihr jeweiliges Anderssein. Sie sei seit tausend Jahren nicht mehr umarmt worden, bellt die Berliner Schnauze die vornehme Münchnerin an – und greift beherzt zu. Doch diese abrupte Nähe, die hält die pensionierte Zahnärztin gar nicht aus. Sie befreit sich aus der Umarmung und rennt, rennt über die Wiese.

Eine andere schöne Sequenz ist die, in der endlich, spät, sehr spät das Eis zwischen Mutter Almuth und Tochter Kathrin aufbricht. Da sieht man die beiden Frauen auf einer Parkbank sitzen, von hinten, in der Rückansicht. Ganz vorsichtig, ganz zaghaft sind die ersten Berührungen, die doch eigentlich so selbstverständlich wären. Vor allem von der Bewusstwerdung der Almuth Seghers erzählt dieser Fernsehfilm.

Miesmuffelige Zahnärztin trifft im Ruhestand auf fröhliche Putzfrau, die sie moralisch aufmöbelt. Nicht immer entgeht die Tragikomödie "Almuth und Rita" dem Sozialkitsch. Zum Glück wird der Best-Ager-Film von großartigen Darstellerinnen getragen - und er bewahrt sich ein paar offene Fragen.

Eine Bekehrungsgeschichte für die Generation Gold: Verknöcherte, miesmuffelige Zahnärztin, die immer nur für den Beruf gelebt hat, wird im Ruhestand plötzlich auf sich selbst zurückgeworfen und entdeckt die Leere in ihrer schicken Wohnung - und in ihrem Leben. Aber fröhliche, zupackende Putzfrau mit Herz am rechten Fleck lockt sie aus der Reserve und möbelt sie menschlich-moralisch auf.

Klingt nach Happy End und Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Aber ganz so wohl(fühl)feil und heimelig, wie der anfangs doch recht absehbare Best-Ager-Film Almuth und Rita sich auszugestalten droht, wird's dann doch nicht. Die Geschichte bewahrt sich gottlob ein paar offene Fragen, und die beiden Titelheldinnen siezen sich bis zum Schluss. Die ARD bemüht sogar den Gattungsbegriff "Tragikomödie", wobei die Tragik sich in Grenzen hält. Es sei denn, man begreift das Altwerden mit seinen Folgen an sich schon als solche.

Almuth und Rita - das sind Senta Berger und Cornelia Froboess, zwei herausragende Charakterschauspielerinnen der inzwischen schon reiferen Klasse, Berger ist 72, Froboess 70 Jahre alt. Dass sie viel jünger wirken, ist in diesem aufmunternden Un-Ruhestandsfilm allein schon erbaulich -sie haben Role-Model-Qualitäten.

Senta Berger ist Almuth Seegers, die so elegante wie arrogante Frau Doktor: abweisend, steif, humorresistent. Eine kühle Dame, streng erzogen von einer ebenso kühlen Mutter (Kerstin de Ahna), die inzwischen in einer "Seniorenresidenz" lebt und der Demenz anheim fällt. Almuth ist seit 19 Jahren geschieden und hat weder zu ihrer Tochter noch zu ihren zwei Enkelkindern innigen Kontakt. Sie kann das nicht: herzlich sein, Oma sein, Gefühle zeigen, all das.

Rita, mit extra-burschikosem "Conny"-Charme hingewirbelt von der Froboess, ist das Gegenteil: eine robuste proletarische Frohnatur, wie einem Drama von Gerhart Hauptmann entsprungen, nur ohne Brüche. "Die alte Putze", wie sie sich selber nennt, als flotter Feger: mit süßem Hund, fettem Sofahocker-Mann und Berliner Ur-Schnauze ("Na Spreewald!") und DDR-Migrationshintergrund.

Kann bohren, "miese Stimmung" wittern, ist auch sonst patent. Bisschen dicke vielleicht. Da hat sich die Drehbuchautorin Brigitte Blobel satt im "Milljöh" bedient, die Warnzeichen bisweilen leichtfertig (oder vielleicht einfach nur TV-gerecht?) missachtend: Vorsicht, Sozialkitschgefahr! Hier die Charaktere bitte nicht überzeichnen!

Aber auch, wenn die Geschichte einen Zug ins Triviale, Sozialromantische hat, kriegt sie die Kurve und kommt - auch dank der unaufgeregten Regie von Nikolai Müllerschön - erzählerisch ans Ziel: nämlich letztlich doch von Menschen zu erzählen, nicht von Karikaturen. Vor allem Senta Berger hat ein paar Szenen, die sehr wahr und anrührend sind. Etwa wenn Almuth auf der Alm ihren Jugendverehrer küsst. Wie viel Staunen, sanfte Erinnerung, plötzliche Enttäuschung und Altersernüchterung da aufflackern und wie ein Wetterleuchten über ihr schönes Gesicht ziehen - das ist groß.


Cast View all

Senta Berger Dr. Almuth Seegers
Cornelia Froboess Rita
Patricia Aulitzky Kathrin
Kerstin De Ahna Elisabeth
Wolfram Berger Klaus
Gerhard Garbers Viktor
Hansjürgen Hürrig Werner
Lisa Kreuzer Saskia
Leya Vogl Luisa
Emile Weiß Joey
Ursula Gottwald Kosmetikerin
Manfred-Anton Algrang Dr. Noack
Kerstin Römer Krankenschwester
Lex Erlacher Nachbar
Hans-Maria Darnov Hundebesitzer
Lasse Myhr Arzt

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Nr Discs 1