Religiöse und politische Grundfragen
Das Verhältnis zwischen der christlich geprägten westlichen Kultur und den Muslimen war nie ein leichtes. Doch nach den Ereignissen vom 11. September 2001 hat die Verunsicherung im Umgang miteinander noch erheblich zugenommen. Gewachsen ist aber auch, zumindest auf westlicher Seite, das Bedürfnis mehr über den anderen Glauben zu erfahren. Die Verlage haben auf dieses Bedürfnis mit einer großen Zahl von Publikationen reagiert. Neben der sehr gelungenen und von Stephen Tree übersetzten Kleinen Geschichte des Islam von Karen Armstrong, die eine sehr schöne religionsgeschichtliche Einführung gibt, ist die hier anzuzeigende vergleichende Studie von Adel Theodor Khoury besonders zu empfehlen. Der emeritierte Ordinarius für Religionswissenschaft an der Universität Münster ist einer der ausgewiesensten Kenner nicht nur des Islam, sondern auch des spannungsreichen Verhältnisses zwischen der christlichen und der muslimischen Religion. In dem vorliegenden Buch vergleicht er zentrale Elemente der beiden Religionen miteinander und zeigt auf, wo die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede liegen. So erörtert er die Bedeutung, die Muhammad für die Muslime (und die Christen), Jesus wiederum für die Christen (und die Muslime) hat, welche unterschiedlichen Gottesvorstellungen den beiden Religionen zugrunde liegen, welche Leitmotive die islamische bzw. christliche Ethik prägen, welche unterschiedlichen Strömungen und Konfessionen es innerhalb der beiden Religionen gibt und so fort. Das Schlusskapitel, das ein Viertel des gesamten Umfangs einnimmt, ist der Frage gewidmet, ob ein echter Dialog zwischen Islam und Christentum überhaupt möglich ist. Auch hier folgt Khoury seinem bewährten Muster und kontrastiert die Begriffe, die man sich hier und dort von (religiöser) Wahrheit, Toleranz, Glaubenstreue etc. gebildet hat. Am Ende seiner Ausführungen zeigt sich der Autor vorsichtig optimistisch, dass ein Dialog zwischen den beiden Religionen gelingen könnte, wenn auf beiden Seiten die Bereitschaft wachse, den anderen Glauben zu verstehen. Sein Buch wäre hierfür eine gute Grundlage. --Andreas Vierecke